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DIE GESCHICHTE DES IJSSELMEERS
Das IJsselmeer war früher eine tiefe Bucht der Nordsee.
Zur Zeit des Römischen Reiches ( etwa zu Anfang unserer Zeitrechnung) war das Gewässer noch von der Nordsee getrennt und trug den Namen
Flevo Lacus. Durch den Anstieg des Meeresspiegels von ungefähr 2 bis 3 Meter pro 1000 Jahre, aber auch durch Holzfall spülte die obere Moorerde weg. Dadurch ging aber in den folgenden 2000 Jahren immer
mehr Land verloren. Ab 1930 wurde dieser Prozess durch den Bau des "Afsluitdijk" (Abschlussdeiches) aufgehalten. Die damalige "Zuiderzee" wurde dadurch vom Wattenmeer abgetrennt und wurde
auf diese Weise zu einem Süßwassergebiet. Dieser Eingriff hatte große Folgen für das Wattenmeer und das neu entstandene IJsselmeer. Für die Bevölkerung am Rande des Ijsselmeers bedeutete dies, dass
man den Fischfang von Salz- auf Süßwasser umstellen musste, dass es keine Gezeiten mehr gab und dass man keine Überschwemmungen mehr zu befürchten hatte. Zudem war es nun ziemlich einfach
geworden, große Landflächen für die Agrarwirtschaft und für den Häuserbau einzupoldern.
Auch für Städte am IJsselmeer brachte die Abgrenzung der Zuiderzee vom Wattenmeer eingreifende Veränderungen mit sich.
Die ältesten Städte am Rande des Ijsselmeers sind Hindelopen, Workum und Stavoren. Sie sind etwa 900 Jahre alt. Diese Städte kannten nur eine kurze Blütezeit, denn die Häfen versandeten
schon bald und die Schiffe wurden allmählich zu groß. Die Städte am westlichen Ufer der Zuidersee, wie Enkhuizen und vor allem Hoorn, übernahmen den Handel mit Skandinavien und breiteten
ihn mittels der VOC (Vereinigte Ostindische Kompanie / Ostindienfahrer) auf andere Teile der Welt aus. Gegen Ende des sogenannten Goldenen Jahrhunderts war die Rolle für die
Niederlande als Weltmacht ausgespielt, und somit war die Periode des Wohlstands für die Zuiderseehäfen zu Ende .
N ach der Abgrenzung der Zuiderzee hat man mit der Einpolderung des Nordostpolders und „de
Wierinemeerpolder“ begonnen. Später folgten dann die beiden Flevopolder. Die eventuelle Einpolderung des vierten und letzten Gebietes, des Markermeers steht regelmäßig wieder zur Debatte. Durch die
Entwicklung der Landwirtschaftsüberschüsse in der EG, wird der Markermeerpolder immer unwahrscheinlicher. Viele sind gegen diese Einpolderung, weil das IJsselmeer als Süßwasserbecken für die Trinkwasserversorgung
sehr wichtig ist und weil bei Einpolderung des Markermeers große Teile der Provinz Nordholland absacken würden. Darüberhinaus spielt das Markermeer als Erholungsgebiet und für den Süßwasserfischfang eine wichtige Rolle.
Direkt nach der Abgrenzung in 1930 lag die Fischerei sogar ein paar Jahre still, da es nur wenig
Fischsorten gab die die Umstellung von Salz nach süss überlebt haben. Dabei wurden viele Fischer
arbeitslos und ihre alten Holzschiffe wurden für wenig verkauft. Das war der Anfang der Charter segelei. Viele neue Eigner kamen dahinter, dass die Unterhaltskosten weit mehr
betrugen als der Ankauf, und nahmen anfangs Freunde und Bekannte mit, um die Kosten zu finanzieren. Viele Jahre später nahm es seinen Lauf und die Frage nach größeren und vor allem Trockener Schiffen
wurde immer größer, und man stieg um auf die alten Segelfrachter, die sich zwar für die Frachtfahrt nicht mehr rendierten, die aber massenweise in den holländischen Kanälen herumlagen als Lagerplatz oder als
Wohnschiff. Mit viel Liebe wurden diese Schiffe wieder unter Segel gebracht. Da kamen so viele Kosten auf, dass der Freundes- und Bekanntenkreis nicht mehr gereicht hat. Die Eigner der alten Kähne
vereinten sich unter der Fahne unterschiedlicher Charterbureaus.
DIE GESCHICHTE DES WATTENMEERES
Das Wattenmeer ist im Gegensatz zum IJsselmeer ein dynamisches Gebiet. Während der Flut fließen Millionen Tonnen
Wasser durch die Meeresarme in das Wattenmeer, die bei Ebbe wieder in die Nordsee zurückströmen. Durch das Salzwasser der Nordsee entstand hier natürlich eine andere Flora und Fauna als im Süßwasser des Ijsselmeers.
Das Wattenmeer bildet einen Teil eines größeren Gebietes zwischen Den Helder (NL)
und Esbjerg (Dan). Vor ca. 10.000 Jahren lag die Nordseeküste etwa 300 km nördlicher als heute. Der Meeresspiegel fing an zu steigen und das Wasser
überflutete das Land bis zur heutigen Küste. Es bildete sich ein ausgestrecktes Wattengebiet, das bei Ebbe teilweise trockenfiel und bei Flut wieder überschwemmt
wurde. Vor ca. 4000 Jahren bildeten sich die schmalen Sandbänke. Etwa am Anfang unserer Zeitrechnung stieg der Meeresspiegel nicht mehr und formten sich richtige
Dünen. Das heutige Wattengebiet war größtenteils trockengefallen, wovon die Überreste der Häuser, die auf dem Meeresboden gefunden wurden, zeugen. Bei
heftigen Stürmen um die Jahrtausendwende brach die See oftmals durch die Dünen. Das tieferliegende Land hinter den Dünen wurde wiederum überschwemmt. An der
alten Küste blieben die Dünen als Inseln zurück. Im vergangenen Jahrtausend bildeten sich die Zuidersee und das Wattenmeer mit seinen Inseln.
Jede Insel ist in zwei Teile geteilt: die Nordsee- und die Wattenseite. An der
Nordseeseite gibt es Sandbänke, Strand, Dünen, Wälder und Heidefelder, an der Wattenseite Polder, Deiche, Deichvorland und das Watt. Die Dörfer befinden sich alle auf der Grenzlinie zwischen Polder und Düne. Die Priele und
Sandbänke ändern sich bis heute andauernd durch Aufschlämmungen, Stürme und starke Strömungen.
Die Inseln wandern immer noch ostwärts: An der Ostseite schwemmt Sand an, während er an der Westseite weggespült
wird. Durch diesen Prozeß gingen schon ganze Dörfer verloren.
Zirka 3500 Jahre vor unserer Zeitrechnung siedelten sich die ersten Bewohner in diesem Gebiet an. Im Laufe der
Jahrhunderte mussten sie einen harten Kampf gegen das Wasser führen. Mit allerlei Mitteln versuchte man der Gewalt
des Wassers zu trotzen, indem man nicht nur Deiche, sondern auch Warfen baute. In Nordfriesland sind noch einige in der Landschaft erhalten .
Die Geschichte der Insel Griend illustriert die ständigen landschaftlichen Veränderungen des
Wattengebietes. Im Mittelalter stand auf Griend ein großes Kloster. Um 1600 war die Insel etwa 80 ha groß und hatte vier Häuser. Um das Jahr 1700 gab es nur noch 1 Haus und maß Griend nur noch 23 ha.
Als 1938 der Strandwall durchbrach, wurde die Insel noch mehr von der See angegriffen. Damit Griend als Insel erhalten blieb, haben die Wasserbaubehörden 50.000 Kubikmeter Sand aufspülen lassen. Heute ist Griend ein wichtiges
Brutrevier für viele verschiedene Seevögel.
Das Watt hat als Fischbrutstätte einen großen Einfluss auf den Fischstand in der Nordsee. Bei Flut
strömen nicht nur Sand und Lehm ins Wattenmeer, sondern auch große Mengen Plankton. Durch die Sonne steigt bei Ebbe die Temperatur des zurückgebliebenen,
niedrigen Wassers schnell, so dass das Plankton schnell wächst. Es bietet so vielen Tieren, die auf dem Meeresboden leben, wie Herzmuscheln, Würmern, Seetausendfüsslern, Krebsen, Wattschnecken und vielen Muschelsorten eine
reichliche Nahrung. Auch Fische, wie Petermännchen, Scholle, Sprotte und Hornhecht ernähren sich von diesem Plankton.
Eines der auffälligsten Phänomene im Wattengebiet ist die Vielfalt
von Vögeln. So finden wir hier z.B. den Austernfischer, verschiedene Möwen- und Entensorten, den Brachvogel und im Winter zehntausende von Gänsen.
Auf dem Gipfel der Faunapyramide befindet sich der Seehund. Nach einer starken Abnahme dieser bedrohten Tierart lässt sich heute
wieder eine Zunahme feststellen .
Das Watt hat eine charakteristische Flora. Neben Bodenpflanzen, wie Meersalat und hier und da
Seegras, wachsen viele Pflanzensorten auf dem Deichvorland. Nach Aufschlämmung wachsen zuerst Pflanzen wie Queller, danach Salzgras, Meerlavendel usw.
Das Watt wird von vielen Seiten bedroht: Nicht nur von der Luft- und Wasserverschmutzung, wie Müllverbrennungs- und Ölreste, und
chemischen Abfällen aus dem Rhein, sondern auch von Erholungsuchenden und Touristen, wie auch von militärischen Übungen.
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